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REVANCHE, 2007
© Spielmannfilm / Foto: Nick Albert
Das Abschiedsbankett für den ORF verfehlt das Ziel. „Universum“-tauglich, in bewundernswertem Einklang mit den Lehren der Biologie, hat der alte Königstiger präsentiert. Aus der Perspektive der Filmschaffenden sind solche Inszenierungen nicht nachzuvollziehen. Dem steht die konkrete Sorge um Arbeitsplätze und die drohende Abwendung des öffentlich rechtlichen Senders vom erfolgreichen österreichischen Filmschaffen gegenüber, das den ORF erst zu dem wichtigen Medium macht, dass er ist und hoffentlich nicht nur war. Ausbildungsstand, Spitzenleistungen der Regie, der Autoren, der Kamera und aller anderen Bereiche des Filmhandwerks schaffen das Biotop, in dem das Fernsehen und seine Redakteure ihre Leistungen erbringen.

Durch die Personalisierung der Probleme des öffentlich rechtlichen Fernsehens, im Zeitalter seiner Digitalisierung, wird von der eigentlichen Problematik und von der Chance eines radikalen Neuanfangs abgelenkt. Das digitale Fernsehen benötigt andere Ressourcen und andere Strategien als ein flächendeckend agierender Monopolist. Die Aufgabe liegt darin, die Qualität der Information und der Kulturleistung auf Niveau zu halten, ohne sich zu korrumpieren. Das ist de facto höchst unzureichend gelungen. Auf Kosten der Filmschaffenden wird ein ausgehöhltes Gebäude, das an allen Ecken und Enden brüchig geworden ist, mit unzureichenden Mitteln abgestützt, statt den neuen Verhältnisse mit Vision und Haltung zu begegnen. Die Symmetrie von Information und Unterhaltung, die Symmetrien von Boulevard und Hochkultur – sollten sie je existiert haben - sind entglitten. Die sozialromantische Vorstellung vom unabhängigen Medienriesen ist obsolet. Wo nichts mehr geht, wird über den Umweg der Förderinstitutionen Steuergeld lukriert.

Dabei täuscht das Bild. Wenn man Akzeptanz und Fortkommen betrachtet, ist der ORF immer noch ein respektables Flaggschiff. Auch wenn er nur mehr seine Steuermänner ernähren kann und die Crew mangels Futter in die Boote jagt.
Wir fordern ein klares ja der Politik zur Erhaltung und Sicherung des österreichischen Film- und Fernsehschaffens durch seinen wichtigsten Vermarkter, das Fernsehen. Die neue Praxis, den ORF über die Fördertöpfe des Filmschaffens zu erhalten, ist nicht zulässig und kann nicht von Dauer sein. Damit stielt sich der relevanteste Arbeitgeber der Medienwirtschaft aus seiner Verantwortung. Die Politik macht das elegant zu einer Personalfrage. Dem ist entschieden Entgegenzutreten. Klammheimlich versucht sich der ORF in die Arme neoliberaler Gefälligkeit wegzustehlen, gespeist von Wirtschaftsinteressen und schlampig aufgestellten Fördertöpfen. Er wird nicht stranguliert, er hängt einfach nur ab und alle schauen zu.

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